Zen, oder die Kunst eine Fliege anzuknoten, während eine Millionen Mücken dich umschwirren. Lapplandtour 2013. Teil 1

Ihr Zugriff auf dieses Thema wurde eingeschränkt. Insgesamt gibt es 14 Beiträge in diesem Thema.
Um sie alle lesen zu können müssen Sie sich vorher anmelden oder registrieren oder freischalten lassen.

  • Ich hatte das Glück, den letzten Juli komplett in Schweden ( Lappland) verbringen zu dürfen.
    Versteht sich von selbst, das die Fischerei dabei nicht zu kurz gekommen ist. Speziell für den „alpinen“ Angler kommt Lappland dem Paradies so nahe wie sonst wohl nur Kanada und Alaska. Zahllose Bäche, Flüße und einsame, fischreiche „Walchen“-Seen ( Ohne lärmende Mautstraße,Segler etc.) Große Äschen, Forellen, Renken, Hechte zum saufuddern und die norwegischen Meereshotspots in Tagestourenentfernung. Sprich ein Ort, an den Angler kommen wenn sie in ihrem irdische Dasein „gute“ Angler waren, von dem ich einige schöne Geschichten mit in den drögen Alltag genommen habe.


    Nach einer schier unendlichen, knapp dreitausend Kilometer langen Anfahrt mit Wohnwagen kamen wir am 7. Juli an unserem ersten Etappenziel, dem Reivo Naturreservat unweit von Arjeplog an.
    Der Reivo besteht aus einem herrlichen arktischen Urwald und zwei glasklaren Seen mit einem guten Bestand an Hechten, Barschen und Forellen, die malerisch zwischen niedrigen Bergen eingebettet liegen. Kling wie aus einem Touristenprospekt, ist aber so. Nach deutschen Maßstäben ist es von einer schon fast unwirklichen, wilden Schönheit. Trotzdem ist es recht gut zu erreichen und verfügt über eine primitive touristische Infrastruktur, bestehend aus Schutzhüten mit Feuerstellen und Brennholzvorart. Es gibt drei Stellplätze mit Feuerstelle und Trockenklo, auf denen Wildcampen gestattet ist. An jedem der beiden Seen gibt es zudem Holzrampen um ein Boot zu wassern. Nebenbei bemerkt ist es angeblich das Naturschutzgebiet mit dem größten Bärenbestand in ganz Schweden. Aber bis auf ein paar Kratzern an Bäumen, die wir beim Wandern eindeckt haben, war nirgends auch nur eine Spur von Meister Petz zu sehen.


    Obwohl es bei unserer Ankunft (3.00 Uhr morgens) noch hell war, legten wir uns erst einmal Schlafen, um uns von den Strapazen der Autofahrt zu erholen. Am nächsten Tag war Auspacken und entspannen angesagt. Bei einer kleinen Wanderung fanden die ersten Steinpilze ihren Weg in den Korb und im Anschluss fuhr ich die fünfzehn Kilometer zurück in die Zivilisation, um an der Q8 Tankstelle in Arjeplog die Angellizenz zu kaufen. Die erste Angeltour sollte am folgenden Tag stattfinden.
    Den See hatten wir letztes Jahr schon kennengelernt und wußten das im Uferbereich hauptsächlich halbstarke Hechte zu holen sein würden. Wir hatten es aber auf Forellen und Barsch abgesehen und die hatten wir im Jahr davor über tiefen Wasser beim Schleppen mit kleinen Wobblern gefangen Deshalb brachten wir das Kanu zu Wasser, um eine Runde Schleppfischen zu fahren.
    Kaum hatten wir die erste Bucht hinter uns gelassen stieg ein guter 30èr Barsch auf den 8 cm Salmo Koppenwobbler ein, kurz danach ein Weiterer und als krönender Abschluss packte eine
    42èr Äsche zu und inhalierte den Köder fast ganz. Lustigerweise fange ich meine Äschen in Schweden meist entweder beim Spinnfischen oder wie letztes Jahr auf eine Green Highlander beim Lachsfischen am Kalixelv und fast nie beim traditionellen Fliegenfischen .
    Wir hätten sicherlich noch mehr fangen können, aber das war genug Fisch für eine anständige Mahlzeit und wer will den in so einem Paradies Raubbau betreiben.



    Unser nächsten Ziel war das kleine Dorf Jäckvik mitten im lappländischen Fjell.
    Die örtliche Jugendherberge ( Kyrkans Fjellgard) hat auch eine kleine Campingplatz für die wenigen Sommertouristen, die haupsächlich auf dem Kungsleden Weitwanderweg unterwegs sind. Dort schlugen wir für eineinhalb Wochen unsere Zelte auf.
    Jäckvik liegt direkt am Hornavan, dem mit 192m tiefsten See Schwedens. Dieser ist Teil eines Seensystems das sich von der norwegischen Grenze bis nach Arjeplog erstreckt. Zudem gibt es eine unzählige Anzahl von kleinen Gebirgseen und Bächen. Um alle Angelmöglichkeiten zu erkunden bräuchte Mann vermutlich zwei Anglerleben. Die Tiefe ist übrigens nicht das einzige was den Hornavan und den Walchensee verbindet. Die Angler kommen dort hin bis von Finnland gefahren um auf die berühmten Seeforellen und den Honvansaibling zu schleppen. Die Landschaft , welche den See umgibt wird geprägt von ausgedehnten Birkenwäldern und dem baumlosen Fjell auf den Bergen.
    Kyrkans Fjellgard , die Jungendherberge liegt direkt am See und man kann direkt vor dem Campingplatz Renken mit der Fliege fangen. Das habe ich an unserem letzten Tag dort herausgefunden, als ich ungläubig einen Schwarm von ca. 20 Fischen in der Bucht vor dem Platz beobachten konnte. Meine Ergebnisse mit dem Königskutscher waren 33 und 34 cm lang, deutlich größere Exemplare verschmähten mein Angebot.
    Aber Alles der Reihe nach.


    Für die erste Angeltour hatte ich mir eine Stelle ausgesucht, die mir letztes Jahr schon auf der Karte aufgefallen war. Leider hatte uns da die Zeit gefehlt diese zu erkunden. Es handelte sich um die Mündung einer Stromschnelle in den Hornavan. Diese wird von dem oberhalb gelegenen See Harrselet gespeist. Obwohl nur gut 3 Kilometer von der Straße entfernt, fühlten wir uns nur wenige Meter nach dem Einstieg in den Wanderweg wie in der tiefsten Wildnis. Nach einem Fußmarsch von einer Dreiviertelstunde, in dessen Verlauf wir zwei Auerhähne aufschreckten, erreichten meine Frau und ich die Angelstelle.
    Schnell war die Rute montiert und die ersten Würfe gingen in das Bassin vor der Stromschnelle, von dem aus sich eine Bucht gut 300 Meter bis zum Hauptsee erstreckte.
    Im glasklaren Wasser der Stromschnellen konnte ich zwei schöne Forellen aus machen, die meinem Köder mehrmals bis ans Ufer folgten, aber nicht zum Anbiss zu überreden waren. Gut fünf Würfe später knallte mir ein heftiger Biss in die Rute und nach einem wirklich spektakulären Drill wanderte ein 77 cm Hecht in die Keschermaschen. Zum Glück hatte ich in weiser Voraussicht ein 15 cm Stahlvorfach montiert. Der Hecht hatte nämlich dem 4 cm Köder komplett inhaliert und hätte das Vorfach sicher gekappt. Leider blutet der schöne Kämpfer stark, so das ich ihn mitnahm. Was sich aber als kulinarischer Glücksfall herausstellte, da er für einen Hecht gar köstlich mundete. Nach einigen weiteren erfolglosen Würfen stellte ich das Angeln ein und wir machten uns auf den Rückweg.
    Auf der Rückfahrt überquerten wir einen kleinen Fluß,auf dem ich im vorbeifahren steigende Fische ausmachen konnte. Ich nahm mir fest vor, dieser Stelle am nächsten Tag einen Besuch abzustatten.
    Am Abend des folgenden Tages stand ich also mit der Fliegenrute bewaffnet an diesem Flußstückchen, das zwei Seen miteinander verband. Immer wieder konnte ich Fische beim Steigen beobachten, die aber auf keine Fliege, die ich präsentierte reagierten. Frustriert wechselte ich nach 15 Minuten zur Spinnangel und siehe da. Nach zwei Würfen hatte ich einen schönen Biss, der sich als 36´cm Renke entpuppte. Auf einen 5 cm Kopyto Gummifisch, der Wahnsinn. Kurz darauf fing ich noch eine Zweite etwas kleinere, dann war Schluß.
    An dieser Stelle sollte sich drei Tage später ein Traum für mich erfüllen, meine erste Renke mit der Fliege. Und dann gleich meine bisher Größte. Die 48èr inhalierte eine recht große Maifliege bis in den Schlund. Toller Fight an der 4-5 Rute und ein wirklich schmackhaftes Mahl.



    Die nächste Kanutour auf dem Simselet, einem See oberhalb des Hornavan sollte zu einem der absoluten Highlights des Urlaubs werden.
    Zuerst befischte ich in einer Paddelpause die Mündung eines kleinen Baches in den Simselet . Zunächst fing ich nur einige kleine Forellen, die aufgrund des ( völlig vernünftigen) Schonmasses von 35 cm wieder Schwimmen durften. Als ich mir dann den direkten Mündungsbereich vornahm, ging es Schlag auf Schlag. Vier Hechte, der Größte geschätzte 90cm innerhalb von einer halben Stunde. Bis auf einen (68 cm), der leider etwas ungünstig gehakt war, durften alle wieder Schwimmen. Ich war ja eigentlich auf Forellen aus.
    Bei der zweiten Pause, an einer Stromschnelle, machte ich dann endlich Bekanntschaft mit den großen lappländischen Bachforellen. Zunächst erwischte ich mit der Fliege nur einige Halbstarke, die aber für ihre geringe Größe ( ca 22-30 cm) phantastisch Kämpften. Die Größeren standen recht tief in der starken Strömung und erst als ich zum Gummifisch an der Spinnrute wechselte konnte ich drei zwischen 35 und 40 verhaften. Herrliche wilde Fische, in herrlicher Natur. Anglerherz was willst du mehr.


    Einen Bericht übers Lachsfischen am Beirarelva und Spinnfischen im Beiarnfjord (Norwegen) gibts in Teil 2

  • Wahnsinn, vielen Dank für den tollen Bericht. Das werde ich mir rot unterstreichen. Da will ich auch mal hin! Freue mich auf den 2ten Teil.


    P.S. Das mit den Renken an der Fliege hättest du am Tegernsee auch ohne 3000km im Wohnmobil haben können...

    Nur weil etwas keinen Sinn macht bedeutet das ja noch lange nicht, dass man es nicht tun sollte.

  • Danke, danke zuviel der Ehre.
    @ Zugroaster. Ich habs ein paarmal am Riegsee mit der Fliege probiert aber die Coregonen haben mich schmählichst ablitzen lassen. Dann muß ich doch mal die " Weltreise " auf mich nehmen und zum Tegernsee fahren.
    Gehts um die Zeit am Tegernsee auch noch mit der Fliege oder nur früher im Jahr ?
    In Teil 2 gibts dann auch noch ein paar Bilder, sofern ich das mit dem Einstellen von Fotos hinkriege :-)

  • Hey, ich kann mich da meinen Vorrednern nur anschließen Super Bericht...


    Grüsse Michi

    Zwei Dinge sind zu unserer Arbeit nötig: Unermüdliche Ausdauer und die Bereitschaft, etwas, in das man viel Zeit und Arbeit gesteckt hat, wieder wegzuwerfen.



    Albert Einstein