Ein halbes Anglerleben - Fortsetzung v. 28.12.06

  • Das Ende vom Millstättersee


    Das andere Gewässer, von dem zu berichten ist, ist der schon bekannte Millstättersee. Da ich nun - im Gegensatz zu dem letzten Aufenthalt zwei Jahre früher - schon wusste, dass man „anhauen“ muss, wenn ein Fisch den Köder ins Maul nimmt, verzeichnet mein Fangbuch einige Eintragungen über erbeutete Aitel, Lauben und sogar eine Schleie. Leider hatte ich damals noch gar keine Ahnung vom Hegenenfischen, sonst hätten mein Vater und ich bei einem unserer Bootsausflüge über den See sicherlich mehr Erfolg gehabt und eine der berühmten Millstädtersee-Renken gefangen. So war aber die Bootsanglerei vergebens, alle Fänge habe ich vom Steg vor Ferien-Häuschen gemacht. Der Millstättersee taucht mit dem Sommerurlaub 1970 das letzte mal in meinen Aufzeichnungen auf. Das bedeutet aber nicht, dass ich in diesem Jahr auch das letzte mal dort war. Wir verbrachten später noch einen, dann aber wirklich den letzten Urlaub in Seeboden. Leider versagt meine Erinnerung bei der genauen Datierung dieses letzten Aufenthaltes. Möglicherweise war es 1971, genauso gut - und einiges spricht dafür, dass es das richtige Datum ist - kann es 1973 gewesen sein. 1972 scheidet aus, da ich die Olympischen Spiele in München zu hause miterleben durfte. Jedenfalls ereignete sich in dem Jahr ein Naturereignis am Millstättersee, das symptomatisch für die damalige Umweltsituation war. Der See „blühte“, es bildeten sich unglaubliche Mengen von Rotalgen. Die Algensuppe war so dick, dass es uns ekelte, im See zu schwimmen. Angeln vom Ufer aus, mit dem Schwimmer, so wie ich es gewöhnt war, war nicht mehr möglich. Schon von weitem konnte man die purpurrote Farbe des Algenteppichs sehen, der wie ausgelaufenes Öl die Wasseroberfläche bedeckte. Kein glitzernder Wellenschlag mehr, schwappende Plörre war angesagt. Die massenhafte Entwicklung der Algen war eine Folge der Eutrophierung des Gewässers. Eine Ringkanalisation fehlte am Millstättersee damals genauso wie am Starnbergersee, am Chiemsee oder am Bodensee. Gott sei Dank haben sich aber diejenigen Leute durchgesetzt, welche die Zeichen der Zeit einigermaßen verstanden hatten und nicht die Schönredner vom Fremdenverkehrsamt Seeboden. Dort wurden die Touristen nämlich zu Veranstaltungen geladen, bei denen das Problem klein geredet und die Schönheit der Region hoch gehalten wurde. Der Gipfel war die Ansprache eines verdienten Touristen - wer 10 Jahre hintereinander seinen Urlaub am See verbracht hatte, erhielt einen Orden - der allen Ernstes zum Besten gab, dass er noch immer seine eigenen Füße beim Schwimmen im See sehen könne, wenn er die Algen zur Seite geschoben habe. Das war aber nur ein Grund, warum wir dem Millstättersee den Rücken kehrten. Ich vermute, es gab noch einen anderen. Die Freundschaft meiner Eltern mit ihren Bekannten war zwar bis zu ihrem tragischen Ende ungetrübt, aber trotzdem waren die gemeinsamen Urlaube manchmal etwas stressig, besonders für meine Mutter. Das lag wohl insbesondere an deren Tochter, der lieben Birgit. Diese war schon früh an Bekanntschaften mit der einheimischen Männerwelt interessiert. Ihren Eltern war das gar nicht recht, aber Birgit verstand es glänzend, trotz entsprechender Verbote, Kontakte zu knüpfen. Dabei benutzte sie mich teils als Postilion d’Amour, teils als Alibi. Als dann doch so manche Aktivität in dieser Richtung aufflog, bekam nicht nur sie Ärger. Irgendwann war ich dann den strengen Erziehungsmaßnahmen meiner Mutter ausgesetzt, die sie wohl am liebsten Birgit hätte angedeihen lassen, wenn sie nur gedurft hätte. Ich glaube, das war auch ein Grund, warum das Kapitel Millstättersee in diesem Jahr ein Ende fand. Zuletzt gab es dann auch noch Schwierigkeiten für unsere Freunde das Häuschen zur gewünschten Zeit anzumieten, so dass auch sie dem See den Rücken kehrten und sich in Bad Aussee zuerst eine Eigentumswohnung als Feriendomizil kauften und später sogar ein Haus bauten, wo sie dann bis zu ihrem Tod in den 90er Jahren dauerhaft lebten.


    Die Jahre am Langwiedersee


    Zurück ins Jahr 1970. Mit bestandener Sportfischerprüfung war zwar ein entscheidender Schritt heraus aus der Illegalität der jugendlichen Schwarzfischerei gemacht, offiziell Angeln durfte ich aber trotzdem noch nicht. Ich war nämlich noch nicht zwölf. So machte mir mein Vater zu Weihnachten 1970 wieder ein großartiges Geschenk, er wurde Mitglied im Versehrtensportfischereiverein München....... (Fortsetzung folgt)