Review Orvis Clearwater AFTMA #7 in 9,6 Fuß (2,91m)

  • Seit gut zwei Jahren habe ich diese phantastische Fliegenrute in Gebrauch. Nachdem sich bei meiner alten Shakespeare Rute das Spitzenteil verabschiedet hatte, sah ich mich gezwungen etwas tiefer in die Tasche zu greifen und ca. 200 Euro beim Gerätehändler meines Vertrauens in dieses Schmuckstück zu investieren. Ich hatte mich im Vorfeld durch Ruten der Helios und Access-Serien von Orvis und einige Modelle von Greys geworfen, aber meine Wahl viel dann doch auf die Clearwater. Natürlich war der Preis nicht ganz unerheblich für meine Entscheidung, kostet doch die Clearwater circa die Hälfte der Acces- ( heißen jetzt Recon) und ein Drittel der Helios-Ruten.
    Aber ehrlich gesagt, habe ich den Preisunterschied beim Werfen kaum gemerkt. Erwähnenswert ist bei den pekuniären Aspekten sicherlich noch die 25-jährige Blankgarantie, die Orvis auf seine Ruten gibt, allerdings verbunden mit 45 Euro Abwicklungsgebühr innerhalb Deutschlands.
    Ursprünglich war die Rute hauptsächlich zum Fischen auf Seeforelle gedacht, inzwischen decke ich damit (fast) alle Spielarten der Fischerei ab und lasse meine Spinnrute immer öfter zuhause. So zu sagen „love at first cast“, es macht einfach richtig Spaß diese Rute im richtigen Set-Up zu werfen. Ich war bis dahin mit meinen 20 Jahre alten „Old-School“- Stock zufrieden gewesen, mußte ich mich aber eines Besseren belehren lassen. Es hat sich seit den 90´igern halt doch einiges in der Rutenbautechnologie getan.
    Ich nutze die Rute zusammen mit einer Orvis Encounter Rolle und einer #8 WF Clearwater-Schnur(schwimmend), ebenfalls von Orvis, bzw. der Rio Outbound Short Schnur #6 (intermediate). Die Rute hat ein Wurfgewicht von 16-18gr und lässt sich mit Schnüren im Gewichtsbereich zwischen 220 und 250 Grain (ca.14-16 gr) plus mittlerem Streamer perfekt werfen. In der Tat konnte sich der Blank mit einer #7 Schnur um die 190 Grain (12-13 gr) nicht richtig aufladen. Die Rute schreit also danach, mit ein bis zwei Schnurklassen „überlastet“ zu werden.


    Distanzen bis 20 Meter sind mit der #8 bzw. #6 Schnur für einen „Teilzeitfliegenfischer“ wie mich problemlos präzise erreichbar. Weite ist natürlich oft gar nicht erfolgsentscheidend. Aber gerade beim Fischen auf Seeforelle und am Meer kann es doch sehr nützlich sein, den Köder schön weit raus zubekommen.
    Verarbeitung und Optik wirken bei der schlanken und leichten 4-Teiligen sehr wertig und ansprechend. Die Überschubverbindungen der Teilstücke passen perfekt und Details wie Rollenhalter, Korkgriff und die Ringwicklungen sind solide und von einer dem Preis angemessenen Qualität. Der Blank erfüllt alle Ansprüche an eine moderne Kohlefaserrute ohne dabei zu straff angelegt zu sein und die Aktion ist schön dynamisch, der Blank biegt sich bei einem größeren Fisch bis ins Handteil, ist aber unter geringer Last bzw. beim Werfen eher spitzen/mittenbetont. Das ganze nennt sich bei Orvis „Tip Flex“.
    Der einzige Wermutstropfen sind die leicht unterdimensionierten Schlangenringe. Die machen dass verwenden von Schußköpfen zur Qual, weil die Verbindung zwischen Schußkopf und Runningline bei jedem zweiten Einholen hängen bleibt und beim Werfen zuviel Energie aus dem Wurf genommen wird. Da war das Handling bei meiner Alten aufgrund größerer Ringe dtl. Einfacher. Ich hab mir daher die Rio Outbound short angeschafft. Diese Schnur wirft sich angenehmer als ein Schußkopf, ist mit 75 Euro aber auch teurer als alle meine Schußköpfe zusammen.
     
    Ich habe die Rute beim Streamern auf Seeforelle, Forelle, Hecht, Barsch, Meerforelle und Seelachs benutzt, mit Schwimmbrot auf Karpfen gefischt (Meine Karpfenfliegen aus den USA wurden sträflich ignoriert) und mit großer Maifliege Renken in Lappland geärgert. Sie hat sich in all diesen Einsatzbereichen bestens bewährt. Der Blank hat genug Reserven um auch mit einem größeren Hecht ( bis jetzt 85cm) oder Karpfen ( ca. 6-7 Pfd) fertig zu werden.
    Fazit:
    Gute, robuste Qualität, leicht, lässt sich traumhaft werfen und macht den ambitionierten Fliegenfischer in der Anschaffung nicht (ganz) arm.
    Für jemanden wie mich, der am liebsten mit minimalen Equipment unterwegs ist, die optimale Rute. Schwer genug um Seeforelle und Hecht Paroli zu bieten ( wer gezielt auf Großfische aus ist, sollte sich aber dann doch eine 8`er oder 9`er Rute anschaffen) aber noch in der Lage eine größere Trockenfliege am 16`er Vorfach anzubieten, wenn es doch plötzlich steigt.