Bootsbatterie Ratgeber

  • Servus Zusammen.


    Aus gegebenen Anlass, hab ich mich in letzter Zeit etwas intensiver mit
    der Ladung, Entladung und Handhabung von Blei/Säure Akkus auseinandergesetzt.
    Da es sicher einige hier im Forum gibt, die gelegentlich mit E-Motor fahren und
    dazu Naß- oder Gelakkus verwenden, möchte ich mal eine kleine Zusammenfassung
    meines bisher gesammeltem Wissen geben. Um Ergänzungen und Kommentare wird
    ausdrücklich gebeten!


    Ich habe lediglich zwei Blei/Säure Batterietypen aufgeführt. Die normale Blei/Säure
    Naßbatterie und die GEL-Batterie. AGM, Vlies und weitere Typen habe ich weggelassen, da
    sie in der Handhabung den GEL-Batterien ähnlich sind.
    Eine sehr gute und ausführliche Lektüre über das Thema bietet der Artikel von
    Dieter Werner bei elweb:
    http://www.elweb.info/projekte/dieterwerner/AKKU1A1.pdf



    Naßbatterien (Blei/Säure)


    Nachteile (prinzipbedingt) :

    • Wartungsintensiv (falls nicht wartungsfrei)
    • Säureschichtung vermindert Kapazität
    • Sulfatierung vermindert Kapazität
    • Zerstörung durch Tiefentladung (<1,75V pro Zelle, dh. < 10,5V bei einer 12V Batterie)
    • Nur relativ wenig Zyklen möglich (300 bei 60% Entladung)
    • Auslaufsicherer Batteriekasten notwendig
    • Lageabhängiger Betrieb (aufrecht, wegen Entgasung)
    • Nicht rüttelfest


    Vorteile:

    • günstig
    • kurzzeitig hoher Stromentnahme möglich (bei Starterbatterie)


    Wartung und Pflege:


    Batterie niemals "leer" fahren! Spätestens bei einer Klemmenspannung von 10.8V (ohne
    Last) besser bereits bei 11V die Batterie wechseln oder rudern. Tiefentladung zerstört die Batterie
    sehr schnell! Ebenso eine Überladung.
    Batterien immer nach Gebrauch, auch nach nur teilweiser Entladung, vollständig Laden.
    Säureverluste ausgleichen und ggf. nachfüllen. Hohe und auch niedrige Temperaturen vermeiden.
    Am besten bei 15 bis 20 °C trocken lagern. Da die Selbstentladung bei Nassbatterien recht hoch
    ist, muss die Batterie im Winterlager mindestens alle 2-3 Monate vollständig geladen werden.
    Die Zellenspannung darf nicht unter 1,75V abfallen (10,5V bei 12V Batterien) sonst kann die
    Batterie Schaden nehmen. Ein besseres Ladegerät mit spezieller IU Kennlinie schont die
    Batterie und kann die Lebensdauer verlängern. Der maximale Ladestrom des Ladegeräts sollte
    mindestens 10% der Nennkapazität der Batterie liefern können. Bleiakkus sind schnellladefähig.
    Die obigen Angaben sind Beispielwerte. Je nach Hersteller und Batterietyp können die Werte
    abweichen! Unbedingt Herstellerangaben von Entladeschlussspannung, Ladeschlussspannung usw.
    beachten!



    GEL Batterien (Säure im Gel gebunden):


    Nachteile:

    • Teuer
    • Ladegerät mit IUoU Kennlinie notwendig
    • Hochstrombelastbarkeit ist begrenzt


    Vorteile:

    • Wartungsfrei
    • keine Säureschichtung
    • keine Sulfatierung
    • Tiefentladungsfest
    • Zyklenfest (ca. 700 Zyklen bei max 80% Entladung)
    • Kein Batteriekasten notwendig
    • lageunabhängiger Betrieb möglich
    • sehr erschütterungsbeständig


    Wartung und Pflege von GEL Batterien:


    Eine voll geladene 12V GEL-Batterie hat eine Klemmenspannung von etwa 12.8V. Nach 100%
    Entladung besitzt die GEL-Batterie noch eine Leerlaufspannung von etwa 11.6V. Dass heißt,
    das es bei einer GEL-Batterie noch wichtiger ist, die Entladeschlussspannung von 11.6V nicht
    zu sehr zu unterschreiten. Eine GEL-Batterie steckt zwar prinzipiell eine Tiefentladung besser weg als
    eine Nassbatterie, aber die Zyklenanzahl und damit die Lebensdauer geht stark zurück.
    (Je nach Hersteller und Batterietyp können die Werte abweichen! Unbedingt Herstellerangaben von
    Entladeschlussspannung, Ladeschlussspannung usw. beachten!)
    Es gilt also auch hier, die Batterie niemals auf die letzte Umdrehung des Motors leer zu fahren!
    Mit einem vorgeschaltetem Spannungsmeßgerät oder einem Akkuwarner behält man immer den Überblick.
    Die meisten Hersteller geben eine maximale Entladung von 80% an.


    Beim Laden muss darauf geachtet werden, dass das Ladegerät eine Ladeschlussspannung von mindestens 14,4V
    besitzt. Alte Ladegeräte mit konstanter Spannung (13.8V) sind ungeeignet. Das Ladegerät für GEL-Batterien
    muss nach dem IUoU Kennlinienverfahren arbeiten. Optimalerweise verfügt das Ladegerät zusätzlich
    über eine Temperaturkompensation (mit Sensor), welche die Ladeströme/Spannungen den aktuellen Umgebungstemperaturen
    anpasst.
    Für die Lagerung und Temperaturverhältnisse gilt das gleiche wie für die Naßbatterie oben. Hitze und Kälte
    vermindern auch bei GEL-Batterien die Kapazität und beschleunigen die Alterung. Immer geladen lagern.


    Allgemein:


    Für den Bootsbetrieb als Antriebsbatterie wenn möglich "Traktions" Batterien verwenden. Keine Starterbatterien und auch
    keine Solarbatterien. Nach Möglichkeit die Kapazität immer eine Nummer größer wählen. Ein geeignetes Ladegerät
    sollte mindestens 10% der Nennkapazität als Ladestrom liefern können. AGM, Vlies und GEL Batterien müssen zwingend
    mit einem UIoU Kennlinie geladen werden!


    Verschiedene Batterien sollten generell nicht parallel geschaltet werden. Beim Parallelschalten fließen Ausgleichsströme,
    die die Gesamtkapazität des Systems beeinflussen. Besser erst die eine Batterie nutzen und dann die andere.


    Troz aller Vorsichts- und Wartungsmaßnahmen hält eine Batterie aber auch nicht ewig. Normalerweise ist je nach
    Einsatzintensität nach etwa 3-5 Jahren Schluss. Wer aber seiner Batterie etwas Aufmerksamkeit schenkt und ein paar Dinge
    beachtet, wird lange Freude dran haben und unterm Strich ne Menge Geld sparen.


    Ich nenne hier absichtlich keine Markennamen. Das muss jeder für sich entscheiden. Wer gute (oder schlechte) Erfahrungen mit
    bestimmten Batterietypen oder Marken gemacht hat, kann dies aber gern äussern.


    -Grüße
    Chris