Hans Strobl im Interview (FIGO Würmsee)

Ihr Zugriff auf dieses Thema wurde eingeschränkt. Insgesamt gibt es 10 Beiträge in diesem Thema.
Um sie alle lesen zu können müssen Sie sich vorher anmelden oder registrieren oder freischalten lassen.

  • Um auch mal die Seite der Berufsfischer kennen zu lernen durften wir (Hansi F. und holzwurmkarl) ein Interview mit Hans Strobl führen.



    Interview mit Herrn Hans Strobl,
    Vorstand der Fischereigenossenschaft Würmsee



    Portrait:
    - Geboren 1958
    - Beruf: Berufsfischer




    1. Seit wann fischen sie am Starnberger See und wie sind sie zu diesem Beruf gekommen?
    Ich fische seit ich 16 bin. Zuerst die Lehre und dann selbst als Fischer. Der Beruf liegt seit über 300 Jahren in der Familie.


    2. Können sie uns etwas über die Geschichte der Fischereigenossenschaft Würmsee erzählen?
    Seit 1444 gibt es eine Seeordnung aufgrund derer sich die Fischer jährlich in Starnberg treffen mussten. 1861 wurde es eine Fischerinnung. Seit 1909 gibt es die jetzige Fischereigenossenschaft Würmsee.

    3. Wie würden sie das Verhältnis zwischen Berufs- und Angelfischer am Würmsee bezeichnen?
    Ich würde es als sehr gut und sehr entspannt bezeichnen. Besonders seit wir unsere gemeinsame Versammlung haben die seit 7 Jahren besteht.


    4. Was gibt’s hier in Zukunft noch zu verbessern und wie sieht für sie eine optimale Zusammenarbeit zwischen Anglern und Fischern aus?
    Die Einlassstelle an der nördlichen Seehälfte. Die bisherige in Berg wurde geschlossen. Die Zusammenarbeit sehe ich als optimal. Lediglich die Kontrollen der Angler müssen verstärkt werden, auch auf Wunsch der Angler.


    5. Wir Angler würden uns eine bessere „Vermarktung“ des Sees wünschen, in Hinblick auf Tourismus, Vermieter und Leihboote speziell für Angler. Sehen sie hier die Möglichkeit zusammen etwas in die Wege zu leiten?
    Auf unsere Homepage gibt es die Möglichkeit die Bootsverleiher und Unterkünfte für Angler aufzulisten. Ich werde sehen was sich da machen lässt.


    6. Einerseits sind die Bestimmungen recht „locker“ z.B. Seeforellenschonmaß 50cm, schleppen mit E-Motor erlaubt; andererseits gibt’s es sehr strenge Bestimmungen z.B. 4 Fische pro Tag, nur zwei Erwachsenen pro Boot, Echolotverbot, Sideplanerverbot. Können wir hier in Zukunft mit einer Lockerung der Regeln für die Angler rechnen?
    Es ist schon beschlossen dass in Zukunft wieder 3 Personen auf dem Boot sein dürfen und Kinder werden hierbei nicht mitgerechnet.
    Das Sideplanerverbot wird auf der nächsten Versammlung diskutiert.
    Die 4 Fische bleiben bestehen.
    Das Echolot wird weiter verboten bleiben. Auch wir Berufsfischer dürfen im Übrigen keines verwenden.


    7. Der beste Fangmonat für die Seeforelle ist der März. Leider wurde uns dieser Monat genommen. Warum kam es dazu und wird diese Regelung wieder einmal aufgehoben?
    Dadurch dass der Seeforellenbestand so schlecht war und ist und viele kleine Fische verangelt wurden hat man sich zu dieser Maßnahme entschlossen. Wenn sich der Bestand hoffentlich wieder erholt hat kann man gerne wieder darüber diskutieren.


    8. Nach den kapitalen Fängen der Angler diesen Jahres, ein Hecht von 43 Pfund und 136 cm sowie dem Waller mit 94 Pfund und 192 cm, interessiert uns natürlich was denn die Berufsfischer dieses Jahr und auch die Jahrzehnte zuvor in ihren Netzen an kapitalen Fängen verzeichnen konnten.
    Nur ein Auszug unseren Fänge, zumindest derer die mir gemeldet wurden:
    Um 1920: Waller 108 Pfund
    1957: Seeforelle 38 Pfund
    1964: Waller 66 Pfund
    1978: Seeforelle 28 Pfund
    1987: Seeforelle 29 Pfund
    1997: Hecht 44 Pfund
    1998: Waller 44 und 42 Pfund
    2004: Zwei Hechte mit jeweils 38 Pfund
    Hecht 35 Pfund
    Sterlet 3 Pfund und 200 gr (dieser Fisch ist bei uns nicht erwünscht!!)
    2005: Karpfen 40 Pfund
    2006: Graskarpfen: 14,9 kg
    2007: Waller 64 Pfund und 45 Pfund und 300 gr


    9. Gibt es besonders erwähnenswerte Fänge an Stückzahlen eines Tages?
    Dazu habe ich keine Angaben.


    10. Nun zur eigentlichen Fischerei. Wie groß dürfen die Netze der Berufsfischer am Starnberger See sein?
    50 Meter lang und 2-4 Meter hoch.
    Die Maschenweite auf Barsch ist 32mm.
    40mm Standardmasche auf Renke. Im Winter darf dafür ein Netz mit 38mm gefischt werden. Das wird immer in Verbindung und Zusammenarbeit mit der Fachberatung für Fischerei und dem Institut für Fischerei in Starnberg bestimmt. Das Institut für Fischerei in Starnberg und die Fachberatung führen Altersbestimmungen durch und danach wird die Maschenweite für die Renkennetze festgelegt.
    60mm für Raubfisch (Hecht, Seeforelle und Zander)
    80 – 100mm für Brachse und Karpfen.


    11. Und in welchem Zeitraum darf gefischt werden?
    Es darf an 4 Tagen in der Woche gefischt werden aber nicht am Sonntag. Natürlich richtet es sich auch nach der Schonzeit der Fische der auch wir unterliegen.
     
    12. Hat sich der Fischbestand die letzten Jahre in ihren Augen verändert und haben sich in den letzten Jahren bestimmte Arten besonders gut oder schlecht entwickelt?
    Speziell Seeforelle, Saibling und Zander sind stark rückläufig. Die Renke ist dieses Jahr wider erwarten stark abgewachsen. Der Aal wurde seit drei Jahren nicht mehr besetzt und war dieses Jahr auch nicht zu bekommen.


    13. Meines Wissens gibt es eine jährliche Untersuchung des Landesinstituts für Fischerei in Starnberg. Wie viel diese aus und wie wird mit diesen Erkenntnissen umgegangen?
    Wir sind in ständigen Kontakt mit Starnberg und der Fachberatung für Fischerei. Es werden laufend Altersuntersuchungen und Versuchsfischereien durchgeführt. Danach wird unsere Fischerei ausgerichtet. Beide Stellen bescheinigen uns eine gute und ordnungsgemäße Fischerei.


    14. Wie sehen sie die Entwicklung der Seeforelle im Starnberger See?
    Speziell heuer im Spätsommer sind die ersten gut maßigen gefangen worden. Wir hoffen dass sie im kommen ist aber haben dieses Jahr leider keine laichreife Forelle gefangen.


    15. Was würden sie einem nicht einheimischen Angler raten um am schnellsten zum Erfolg zu kommen?
    Ohne die Gewässerkenntnis ist es schwer an so einem großen Gewässer schnell zum Erfolg zu kommen.


    16. Verraten sie uns besonders ergiebige Stellen?
    Das kann ich nicht denn es ist ein ständiger Wechsel und man muss über die Jahre das Gewässer kennen lernen.


    17. Die Fischereigenossenschaft Würmsee unterhält ein eine eigene Brutanstalt. Seit wann gibt es diese und kann man sie besichtigen?Es besteht seit den sechziger Jahren. Ursprünglich waren es drei Bruthäuser. In Nussberg bei Seeshaupt, In Tutzing und in Allmannshausen. Von der Genossenschaft wird nur noch Allmannshausen bewirtschaftet.
    Für das Forum kann es gerne für eine Besichtigung geöffnet werden.


    18. Was und wie viel wird dort erbrütet?
    Unser Ziel sind jährlich ca. 40-50 Millionen Renken, 400.00 Saiblinge, 40.000 Seeforellen und ca. 300.000 Hechte.


    19. Damit kommen wir zum Besatz. Können wir die Besatzzahlen der letzten Jahre erfahren? ( Zander?)
    Der Zander wurde erst ca 1854 eingeführt. Wir betreiben Laichilfe, legen Zandernester an und pflegen die Unterstände für den Zander.
    Die Schleie wird mit ca. 400 Kilo besetzt (S1).
    Ca. 800 Kilo Karpfen (K2).
    Hinzu kommen die in den Bruthäusern gezogenen 40-50 Millionen Renken, ca. 400.000 Saiblinge, ca. 40.000 Seeforellen und ca. 300.000 Hechte.


    20. Gibt es auch Zahlen zum Ausfang der Angler? Die Angler führen ihre Fangbücher und diese werden abgegeben. Werden sie auch ausgewertet?
    Die Rückgabe der Karten seitens der Angler ist sehr verhalten. Aber natürlich werden diese ausgewertet.


    21. Wofür werden die Einnahmen aus dem Verkauf der Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreskarten verwendet?
    Die Einnahmen werden zu 100% für den Besatz und den damit verbunden Kosten wie etwa das Bruthaus verwendet.



    Im Namen des Teams "Alpines-Angeln" und all unserer User möchten wir uns recht herzlich für dieses Interview bedanken, wünschen Petri Heil und weiterhin eine erfolgreiche Fischerei.



    Mein Dank an MAT für die Fotos!

  • Hi zusammen,


    super Interview! Ist mal sehr interessant die Sicht des Gewässerbetreibers kennen zu lernen. Wobei leider nicht alle Bewirtschafter ein solch gutes Bild abgeben und auch einen so engen Dialog mit den Fischern pflegen. Auch nicht jede FIGO....... :zip:


    Danke für den Bericht!


    Gruss Felix

  • Sehr informatives Interview!
    Wenn das Gespräch auch so kollegial und freundschaftlich ablief wie es sich liest, hat es Euch beiden bestimmt auch noch viel Spaß bereitet!


    Super Sach!


    Gruß Gordon