Stephan Gockel (Team Daiwa) im Interview

  • Stephan Gockel, Teamangler bei Daiwa hat uns die Ehre erwiesen und dem Team Alpines-Angeln ein Exklusivinterview gegeben


    Interview mit Stephan Gockel vom Team Daiwa



    Portrait: 


    - Geboren: 09.10.1975
    - Mitglied: JA..... ;-)
    - Beruf: Angelprofi, freier Journalist, Teamangler bei Daiwa




    1.Seit wann angelst du bzw./und wie bist du zum Angeln gekommen?
     


    Ich habe mit 5 Jahren von meinem Vater eine Bambusrute geschenkt bekommen und die ersten Barsche am Diemelsee überlistet. Es war zwar damals wohl noch ein wenig chaotisch, jedoch hat Papa alles mit Ruhe gemeistert. Den richtigen Kick bekam ich mit 7Jahren,ebenfalls am Diemelsee.
    Ich habe mehrere Stunden neben einem Angler gesessen und muß ihn wohl tierisch mit meiner Fragerei genervt haben, denn nach 4 Stunden Dauerfeuer auf sein Trommelfell hat er mir eine richtige Angel mit Rolle (!) geschenkt und mir gesagt ich soll damit mal hinten in der Bucht angeln gehen.
    Also ging ich stolz wie Oskar los, um meine erste selbst erarbeitete Beute zu machen... und man kann sich schon denken, was passiert ist... ich bin dem armen Angler weiter auf den Sack gegangen, da er alle paar Minuten von einem rennenden Kind besucht wurde, dass ihn mit den schönsten Barschen versorgte ( alle Barsche , die ich an diesem Tag gefangen habe waren deutlich größer als seine)
    Auf jeden Fall war ich ab dann infiziert und meine Oma unterstützte finanziell und mit viel Einsatz und noch mehr Toleranz (hat Euch schon mal jemand das gesamte Mittagessen + Getränk heiß ans Wasser geliefert?) mein neues Hobby.

     
    2. Wie und warum bist du beim Guiding bzw. der Tätigkeit als Teamangler und Ausbilder gelandet?


    Ich bin durch meine Großeltern und meine Eltern sowohl am Rhein bei Wesel und am Diemelsee aufgewachsen. Nach vielen Angeljahren kenne ich beide Gewässer wie meine Westentasche und bin und war immer sehr innovativ, im Umgang mit neuen Angel-Materialien und Techniken. So habe ich eigentlich schon immer überdurchschnittlich gut gefangen und mein Name war an beiden Gewässern schnell in aller Munde( Angler sind halt schlimmer als Waschweiber ;-) )
    2000 hat mich dann ein guter Freund, der schon für verschiedene Zeitschriften schrieb, überredet auch mal etwas zu schreiben. Ich schrieb also und siehe da, die ersten Berichte und Reportagen wurden auch ein paar Monate später im „Raubfisch“ gedruckt.
    2001 habe ich dann begonnen im kleinen Rahmen mein Wissen an Jungangler und Interessierte weiter zu geben. Mir war aufgefallen, dass die Leute zwar ihre Prüfung hatten, jedoch keinesfalls fit fürs Wasser waren. Keine Ahnung von modernen Materialien und dann noch ein stark strömendes Gewässer wie der Rhein stellte sie vor unüberbrückbare Hindernisse um einen gescheiten Fisch zu fangen. Für sie veranstaltete ich Allround -Angelkurse in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Angelgeschäft. Für Fortgeschrittene ging es dann zum Wallerspinnangeln oder die Stachelritter wurden bejagt.
    2003 gelang es mir auf der Anspo in Kassel die richtigen Leute von Daiwa kennen zu lernen.
    Ich konnte sie überzeugen, dass ich durch meine anglerischen Tätigkeiten und meiner Schreiberei perfekt für ihre Zwecke geeignet wäre. Ein weiterer Aspekt, dass ich mich als der Mann für Daiwa fühlte, war, dass ich schon über Jahre ein absoluter DAIWA-Fan war und aus Überzeugung fast ausschließlich Ruten und Rollen von Daiwa fischte.


    3. Kann man sagen dass Drop-Shot dein Steckenpferd ist und welche Methoden bevorzugst du noch?


    Drop shot ist eine Technik die mich schon ziemlich in ihren Bann gezogen hat, denn in kaum einer anderen Technik kann ich so facettenreich mit den verschiedensten Ködern experimentieren. Schon kleine Unterschiede in der Hakenwahl verändern das Laufverhalten des Köders und ich kann ihn komplett anders meinen gestreiften Lieblingsfischen präsentieren.
    Eine weitere Faszination bedeutet für mich das Jerk-Fischen! Alleine, wenn ich mir die wunderbar, fast künstlerisch gestalteten hochwertigen Köder betrachte geht mir das Herz auf. Dann noch die oberflächlichen Bisse....Genial!
    Beim Welsangeln kann ich wieder rum keine Angelart festmachen, die mich besonders anspricht. Hierbei ist es der Fisch, der mich in seinen Bann gezogen hat.... Im Drill absolutes Kampfmonster, jedoch beim Biss ein absoluter feinfühliger Gourmet. (Ich kenne kaum einen anderen Fisch, der es schafft mir meine Tauwürmer so gefühlvoll zwischen den Tintenfischstreifen vom Haken zu zupfen)


    4. Wie definierst/bewertest Du die Diskussion um Hardmono und Stahlvorfach und welches Material bevorzugst Du?

    Hardmono ist für mich erst ab 0,50er als Hechtsicher einzustufen!
    Es hat in den dünneren Stärken toll als Schlagschnur, oder als abriebfestes Vorfach bei Muschelbänken seine Berechtigung, aber das war es dann auch!
    Beim Spinnangeln schwöre ich auf das Bungee-Steel von Cormoran, was sogar noch eine Schockabsorber Funktion mitbringt!

     
    5. Für den einen die Masterfrage, für den anderen Grauzone, ein Gräuel oder sogar am Rande der Legalität. Ohne wissen zu wollen, wie du es handhabst. Wie stehst du zu Catch & Release?


    Absolutes Catch and Release ist für mich genau so wie das rigorose Abschlagen von maßigen Fischen ein überzogenes Extrem.
    Wie man in allen Bereichen sehen kann, kann ein Extrem niemals gut sein.
    Ich mag das Verfahren in Holland : Man darf, je nach Provinz, einen oder zwei Zander ab einer bestimmten Größe mit nehmen, muss es jedoch nicht.
    Man kann für sich selbst entscheiden, welchen Fisch man für sich und seine engste Familie abschlägt. Bei meinen Touren und Lehrgängen kann ich meinen Kunden nicht verbieten einen Zander, der ein absoluter Speisefisch darstellt, mit zu nehmen. Jedoch versuche ich hierbei meinen Kunden an Bord eine Selektive Entnahme ans Herz zu legen. Was nützt es, wenn ich ihnen eine Entnahme verbiete, sie jedoch beim nächsten Mal, wenn sie ohne mich unterwegs sind, alles vor dem Kopf hauen??? Ich muss sie mit gesundem Menschenverstand auf einen Mittelweg bringen, der auch sie befriedigt. Zander z.B. sollten folglich zwischen 60cm und 70 cm sein, wenn sie in die Pfanne wandern...jedoch auch nur einer...denn ich nehme nur das mit, was ich mit meiner Frau auch in der nächsten Zeit verspeisen kann. Größere Fische sollten folglich generell geschont werden, denn zum einen kann ich solche Fischberge gar nicht alleine mit meiner Familie bewältigen und zudem sollten solche guten Gene, die von großen prächtigen Fischen inne getragen werden, ruhig noch weiter vererbt werden.
    Bei weniger attraktiven Speisefischen, wie Freund Esox, sollte man eh komplett über eine Entnahme nachdenken, da dieser in der Natur meist eine wesentlich wichtigere Rolle, als wie als Gräten-Filet auf meinem Teller, spielt.


    6. Was war Dein größter Reinfall beim Angeln?


    Oh...Reinfall....


    Ich kann mich eigentlich an keinen direkten Reinfall erinnern... Es gibt immer Höhen und Tiefen...und selbst ein Angelprofi hat auch mal Tage, an denen es mal nicht so rund läuft....
    Doch ein Erlebnis ist hängen geblieben....: Mit Pellets im Rhein bei Duisburg auf Waller... was ein Reinfall!!! 100 Kilo von dem teuren Zeug in einer Woche komplett für die Katz (oder für die Krabben?)verklappt, und nicht einen einzigen Biss in 3 Angeltagen...
    Eine Woche später versuchte ich es an der gleichen Stelle mit Tintenfisch und Wurm.... 2 Waller von etwa 150cm innerhalb von einer Nacht... Da hatte ich zu Pellets keine Fragen mehr!


    7. Auf der anderen Seite wollen wir natürlich auch wissen, was denn Dein schönstes Angelerlebnis war!


    Highlights hatte ich schon einige...
    Und auch immer wieder aufs neue....Toll finde ich es immer, wenn eine neue Idee funktioniert. Wenn man etwas entwickelt hat und die ersten geschuppten Brüder darauf rein fallen. Dann müssen es gar keine super Kapitalen sein...ich freue mich dann schon über einen 15 cm Barsch! Wenn sich dann der nächste an dem neuen Köder, oder der neuen Montage vergreift, geht mir das Herz auf und ich gehe auch mit kleinen Fängen absolut mit einem guten Gefühl nach Hause.
    Aber dich interessiert bestimmt, welcher Fisch mir am meisten in Erinnerung geblieben ist....:
    Mein Prachtbarsch, der mit seinen 56cm und knappen 7Pfund eher an einem Karpfen, als an einen Barsch erinnerte...

     
    8. Hast Du einen „absoluten Lieblingsköder“?


    Einen direkten Lieblingsköder habe ich nicht...
    Es kommt immer auf die Gegebenheiten an. Ein Köder der im sauerländer Stausee absolut überzeugt, kann schnell zur absoluten Pleite in Holland werden.
    Tendenziell fische ich im Sommer lieber mit Wobblern oder Jerks, sobald es Winter wird, stelle ich meine Köderwahl komplett auf Gummi um.
    Blech benutze ich in der Regel nur zum Waller angeln...


    Aber als kleinen Kunstködertip kann ich mal den Aktivator und den Bonanza von Cormoran und den Arnaud DD von Illex nennen.


    9. Lieblingsrute?


    Lieblingsruten habe ich viele.. Ich leiste mir den Luxus für jede Angelart und jede Gewichtsklasse genau die richtige Rute mit einer dazu perfekt passenden Rolle zu haben.
    Zum Wels Ansitzangeln schwöre ich auf die Strikeforce in300cm und zum Wallerspinnfischen die Powermesh X aus dem Schottland-Programm in 270cm.
    Spinnfischen geht's mit der Infinity-Serie...in den verschiedenen Modellen.
    Vertikal, oder zum leichten Twitch-Baiten kommt bei mir nichts anderes als die One And Half in Frage! Perfekte Rute,in all ihren Komponenten!
    Gejerkt wird entweder mit der Megaforce Jerk (bis 80Gr) oder mit der Silvercreek (bis 120Gr).


    10. Lieblingsrolle?


    Habe mehrere Lieblinge...je nach Anwendung...und das lustige ist, schon bevor ich bei Daiwa unter Vertrag genommen wurde, habe ich die beiden Stationär-Rollen bereits seit Jahren gefischt...hätte es die Viento Schon gegeben,wäre sie bestimmt auch bei mir "unter Vertrag" genommen worden!
    -InfinityQ 2000 ---Spinnangeln
    -Infinity 5500 Freilauf ----Waller Ansitz
    -Emblem Z 5000 ---Beste jemals Produzierte Wallerspinnrolle
    -Viento1000L ----Vertikal
    -Cillion, Millionaire ----Jerk


    11. Was würdest Du kurz und knapp einem „frischen/jungen“ Angler am ehesten mit auf den Weg geben?


    Fische werden am Wasser gefangen! Wer viel angelt gewinnt schnell an
    Erfahrung und fängt auch früher oder später seinen Fisch.... Am Anfang nicht zu kompliziert fischen, einfach bringt meist den gleichen Erfolg!
    Zur Erstausrüstung:
    Zweckmäßig, aber nicht billig kaufen! - Billig kauft Zwei Mal ;-)


    12. Bist Du ein guter Fischkoch?


    Natürlich koche ich auch gerne Fisch...
    Ob "Gut" kann ich selbst schlecht sagen, denn woran will man das messen?
    über Geschmack lässt sich eben streiten... ;-)


    13. Noch mal zurück zum eigentlichen Fischen: „Hast Du bevorzugte Jahreszeiten und nimmst Dir auch mal eine Auszeit; oder fischt Du das ganze Jahr über?“


    Eine Jahreszeit in der ich eine Auszeit nehme habe ich eigentlich nicht.
    Da ich als Angelprofi immer am Fisch und in der Praxis sein muss, habe ich mir eine Art Jahreskalender angelegt, in dem ich gezielt die
    Raubfischschonzeiten umgehe.
    In Holland darf ich bis Ende März vertikal angreifen und ab dem 15. April starte ich bereits wieder am Diemelsee (Hessen) in die Saison. Die 15 Schonzeit- Tage benutze ich um mein Gerät zu warten, oder ich fahre nach Italien zum Wels fischen.
    Aber meine Lieblingsmonate sind von Oktober bis Februar, da dann die Zander recht konzentriert an zutreffen sind und das Vertikalangeln so richtig funzt!




    14. Was wünscht Du Dir für die anglerische Zukunft in Deutschland?


    In Deutschland ist alles sehr verkraft und ich bezogen... Meine Stelle, meine Methode und ,vor allem, meine Fische....!
    Jugendliche stören prinzipiell am Wasser und andere fangen mir die Fische weg.


    Man sollte mehr auf einander zu gehen und das miteinander verstärken.
    Eventuell gibt eine kleine Geschichte einen Denkanstoß:
    Ich war in Holland unterwegs und beim Vertikal-Angeln konnte ich machen, was ich wollte...es biß nichts.
    Am Nachmittag gesellte sich ein holländischer Angler mit seinem Boot zu mir und fragte höflich, ob er in meiner Nähe fischen dürfte. Natürlich durfte er, und so ließ er, in nur 10m Entfernung, seinen Gufi gen Grund.
    Keine Minute später verneigte sich seine Rute und wenig später konnte ich einer Fotosession mit einem 97 cm Zander beiwohnen!
    Ich dachte: man hat der ein Glück...ich hatte stundenlang nicht einen Schwanz gesehen und er...?! Doch mit Glück hatte das nicht viel zu tun, denn nach dem Zander fing er noch einen und noch einen und noch einen....
    ich verzweifelte...
    Gerade, als ich die Welt nicht mehr verstand, drehte er sein Boot bei und warf mir 3 neuartige Gummiköder mit Aroma und in einer recht harten Gummimischung ins Boot... Dabei kam nur der Hinweis: Versuch mal, ob die bei Dir klappen.... Und wie sie funktionierten... Ich fing Fisch auf Fisch...
    Ich bin mir sicher, in Deutschland gibt es nur sehr wenige Angler, die andere so an ihrem Erfolg hätten Teil haben lassen...
    Und da müssen wir hin...




    Im Namen des Teams "Alpines-Angeln" und all unserer User möchten wir uns recht herzlich für dieses Interview bedanken und wünschen Petri Heil und eine erfolgreiche Saison 2008.



    www.angelservice-niederrhein.de

  • Ich habe Stephan während einer Veranstaltung eines lokalen Gerätehändlers kennengelernt.
    Beeindruckt haben mich vor allem seine Tips und Tricks im Bereich des
    Dropshot Angelns. Das Wacky-Rig hat mich im Schaubecken wirklich
    überzeugt! Hammermässig!
    Ich freue mich schon es endlich mal hier auf Barsch auszuprobieren.


    -Chris

  • Ein wirklich schönes Interview! Besonders erwähnenswert find ich die Antworten zum C&R, da Stephan in meinen Augen eine angenehm unverkrampfte Haltung dazu einnimmt, die einerseits bedacht, anderersets aber praktizierbar ist. Einem solchen Beispiel finde ich folgt man doch gern.


    Auch wirklich nett fand ich die Schluss-Anekdote. "Man sollte mehr auf einander zu gehen und das miteinander verstärken." Vor allem als völliger Angelanfänger liest man evtl. viel oder macht sich Vorstellungen, aber tut sich zT schon sehr schwer. Ich erinner mich noch an meinen ersten Versuch am Walchensee auf Saibling zu Schleppen. Die Montage war so lala und ich hab gerudert als gäbs kein Morgen mehr. Plötz kam ein Vater mt seinem Sohn vorbeigerudert und rief mir zu: Na, schleppst auch auch Seeforelle oder?" Ich meinte "Nö, auf Saibling" und er nahm sich ne Minute, um mir mit ein paar wenigen Worten die Schleppgeschwindigkeit zu erklären, bevor er wieder Gas gab und weg war. Durch die Tips eines völlig fremden Menschen hatte ich dann ein paar Stunden später auch meinen ersten Walchenseesaibling beim Schleppen erwischen können. Sowas finde ich enfach klasse. Und sind wir doch mal ehrlich, das Wissen über einen vermeintlichen HotSpot oder die superfängige Montage macht noch lang keinen Fisch - wär ja auch langweilig ;)


    Ich freu mich schon darauf, mehr solche schönen Interviews zu lesen!