Planseesystem: Gießen, Motage, Tips

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  • Das Planseesystem ist ein sehr fängiges Köderfischsystem und für alle Räuber geeignet. Neben dem Köderfisch kann man es auch sehr gut für alle Gummiköder verwenden wie z.B. der Koppenimmitation. Manche Fliegenbinder machen daraus sogar Streamer, die dem Walchensee schon so manche schöne Seeforelle entlocken konnte...
    Im Folgenden beschreibe ich mal was man zum Gießen benötigt, dass Zwirbeln vom Draht ,den Gießvorgang, die richtige Montage des Köderfischs und versuche dabei möglichst viele Tips einzubauen.


    Was benötigt man zum Gießen?


    Das wichtigste ist natürlich die Gußform. Am besten man läßt sie sich von einem Zinngießer oder jemanden der mit Edelstahl umgehen kann aus Silikon schneiden bzw. Edelstahl fräsen und drehen.


    Gußformen aus Silikon habe den Vorteil, dass sie unmittelbar nach dem Gießen geöffnet werden können, aber die Nachteile, dass sie nach ein paar hundert Gießvorgängen porös (unbrauchbar) werden und man sie vor dem gießen mit einer Klammer arretieren muß.
    Edelstahlformen dagegen haben unbegrenzte Haltbarkeit und können mit "Nut und Feder" so passgenau angefertigt werden, dass ein Arretieren nicht notwendig ist. Dafür sind sie schwieriger Herzustellen.


    Wer also nur für den Hausgebrauch jährlich seine 30 Systeme für die kommende Saison machen möchte, für den reicht eine Silikonform völlig aus.


    Als Prototyp empfehle ich das "Original" und nicht das im Handel erhältliche zu nehmen. Das aus dem Handel hat meiner Meinung nach sogar bei schneller Köderführung eine zu schweren Kopf im Verhältnis zur Drahtlänge und den benötigten Köderfisch (es sei denn, man verwendet hochrückige Köderfische wie Brachsen).
    Auch wenn man sich Gußformen für größere Systeme machen lassen möchte, sollte man das Original hochrechnen.
    Jedenfalls ist es ganz wichtig, dass der Kopf innen eingehöhlt ist. Die Systeme Marke Eigenbau, welche eine halbe Bleikugel als Kopf haben, laufen nicht richtig.


    Als weitere Komponente braucht man den Edelstahldtraht. Hier kommt nur der harte und starre Edelstahldraht in Frage, da die anderen zu weich sind.
    Man bekommt ihn nicht im Baumarkt, sondern nur im Eisenwarenhandel, gut sortierten Bastelgeschäften und bei "Konrad" (Elektrofachgeschäft) in der Bastelabteilung.
    Für die Originalgröße empfehle ich die Stärke 0,6mm und für größere 0,8mm.
    Nur für die XXL-Ausführung, für Köderfische von 20-25cm, verwende ich Kupferdraht mit einem Durchmesser von 1,5mm, der bei dieser Stärke auch die notwendige Härte mitbringt.


    Und nun zum Blei (und Zinn). Hier stellt sich vor allem die Frage: Wo bekommt man es her? Nachfragen kann man bei Wertstoffhöfen, Schrotthändlern, Autoausschlachtern und Röntgenärzten. Von einem letztgenannten bekam ich mal Blei für 6 Anker und für Zupfsysteme auf Lebenszeit.
    Sehr gut macht sich auch eine Blei-Zinn Legierung (etwa 5:1). Damit wird der Kopf für längere Zeit silberglänzend, was zusätzliche Lockwirkung erzeugt ohne viel an Gewicht einzubüßen (Zinn ist leichter als Blei).
    Allerdings kann man sich durchaus nur mit Zinn auch Spezialsysteme gießen, die wegen dem leichteren Kopf langsamer zu führen sind und eine längere Absinkphase haben; hat sich auf Zander sehr gut bewährt...
    Dafür hat schon mancher (meines Geschmacks nach kitschiger) Zinnteller schmelzen müssen.


    Als Spezielwerkzeug benötigt man nur noch einen Gießlöffel. Zur eigenen Sicherheit und sauberen Arbeit sollte man sich im Fachhandel für Zinngießer (im Netz zu finden) einen richtigen anschaffen.


    Um ausreichend Hitze zu bekommen nimmt man am besten einen Bunsenbrenner oder Campinggaskocher. Es reicht nicht nur das Blei zum Schmelzpunkt zu bringen, sondern man muß es schon etwas höher erhitzen, damit es nicht erkaltet bevor die Form voll ausgegossen ist.
    Deshalb reicht eine Kerze nicht. Eine günstige Alternative könnten Gelkartuschen sein, habe ich aber noch nicht versucht.


    An sonstigen Werkzeugen braucht man nur noch eine Werkbank mit Schraubstock, Kneifzange, kleinen Seitenscheider, Eisensäge, eine Bohrmaschine und Stahlbohrer zwischen 1 und 3mm (je nach gewünschter Lochstärke und Kopfgröße).


    Das Zwirbeln des Drahtes


    Vor dem ersten Zwirbeln muß man sich noch einen Haken herstellen. Dazu nimmt man einen Nagel im Durchmesser von +/- 1,2mm (in Bayern halt an 12er Drahtstift) und sägt mit der Eisensäge den Kopf ab. Als nächstes spannt man die ersten 2cm auf der Spitzen Seite in einen Schraubstock ein, und schlägt ihn mit einem großen Hammer bis zu einem 90 Gradwinkel um. Dann nimmt man ihn heraus und spannt ihn der Länge nach nochmal fest ein, so dass die Spitze nun nach oben schaut und schlägt die Spitze nochmal etwa 45 Grad weiter um - fertig ist der Haken.


    Diesen spannt man nun in der Bohrmaschine ein.


    Nun schneidet man mit dem Seitenschneider die doppelte Länge von der beim fertigen System gewünschten Länge + xcm vom Draht ab. Für das "x" gibt es keine Formel, weil jeder etwas enger oder weiter zwirbelt. Wenn ich am fertigen System eine Drahtlänge von 5cm haben möchte, brauche ich 15 cm Draht zum Zwirbeln. Das bekommt aber jeder für sich schnell ins Gefühl.


    Als nächstes wir dieses Drahtstück in der Mitte umgebogen und die beiden offenen Enden so über Kreuz gelegt, dass sie oberhalb vom Kreungspunkt ein V bilden und die Enden jeweils etwa 1,5 cm überstehen.
    Der Kreuzungspunkt samt dem V wird nun fest in den Schraubstock eingespannt, so dass der Knick der gebogenen Seite zu uns schaut.
    Nun wird der Haken an dem Knick des Drahtes eingehangen und mit leichtem Zug zum Körper bei niedrigster Geschwindigkeit der Bohrmascheine eingedreht, bis die gewünschte Zwirbelung erreicht ist. Zwirbelt man zu wenig, ist der fertige Draht noch zu flexibel, dreht man zu weit, bricht der Draht. Nach dem 3. Versuch hat man aber den Dreh raus... Im Zweifelsfall kann man sich auch die Zwirbelung vom Prototyp abschauen.


    Der Gießvorgang


    Gießen sollte man grundsätzlich nur im gut belüfteten Zimmer bei offenem Fenster oder in der Garage auf einer festen Werkbank, jedenfalls auf einem sicher stehenden Tisch, und nur im Stehen.


    Nun nimmt man die 2 bzw. 3-teilige Gußform auseinander und legt den Draht mit der V-Öffnung in die vorgegeben Kerben ein, baut es wieder zusammen und arretiert es ggf.


    Die zusammengbaut Form mit dem eingelegten Draht liegt nun vor uns auf der Mitte des Tisches, so dass die Gießöffnung nach oben schaut.
    Zunächst erhitzt man das Blei, Zinn oder die Legierung im Gießlöffel etwas über den Schmelzpunkt hinaus.


    Dann gießt man es langsam aber in einem Zug in die Öffnung der Gußform, bis sie voll ist. Mit Ofenhandschuhen kann man nun die Gußform öffnen und das fertig gegossene System auf den hinteren Teil der Holzplatte legen. Nach wenigen Minuten ist es erkaltet. Wer sicher gehen will kann es auch in einen mit Wasser gefüllten Topf legen, dann ist es gleich kalt und man läuft nicht Gefahr sich versehentlich eine Brandblase zu holen.


    Nach dem Erkalten zwickt man mit der Kneifzange den Bleiüberstand ab und spannt es mit der Rundung vom Kopf nach oben in den Schraubstock ein. So kann man von oben her mit dem Bohrer das Loch Bohren. Der Lochdurchmesse sollte der Kopfgröße entsprechen. Zudem kann man die Lochstärke noch dem Vorfach anpassen. Möchte man mit Mono oder geflochteten Schnur Fischen braucht es einen kleineren Durchmesser als beim Stahlvorfach. Hier hilft auch ein Blick auf den Prototyp.


    Die Montage


    Zunächst wählt man das System bzgl. der Länge zum Köderfisch passend aus. Wenn die Maulspitze am Systemkopf anstößt und der Draht an der Afteröffnung ein wenig (1mm) übersteht, passt es.


    Fischt man mit Mono-, geflochtener- oder dünner Hardmonoschnur schneidet man ein paar cm mehr als die gewünschte Vorfachlänge (ich mag längere von etwa 80cm) von der Schnur ab und führt das eine Ende durch das Loch am Systemkopf. Dann bindet man einfach einen Zwilling oder geschlossenen Drilling auf der Drahtseite an.
    Am anderen Ende bindet man einen kleinen Schlaufenknoten für den Karabiner oder das Vorfach direkt an einen an der Hauptschnur angebunden Wirbel.


    Möchte man mit dickerem Hardmono oder Stahlvorfach fischen, gibt es 2 Möglichkeiten:


    1. Bei großen Zupsystemen gehe ich durch das Loch, fädel auf der Drahtseite eine Quetschhülse auf, dann durch die Schenkelöffnung des Zwillings oder Drillings, kincke 0,5cm vom Ende um, stecke den Knick in die Quetschhülse bis er auf der anderen Seite gerade herausschaut, ziehe die Schlinge langsam zu aber nur soweit, dass sich der Schenkel in der Schlinge noch frei bewegen kann und quetsche die Hülse zusammen.


    2. Bei kleinen Systemen gehe ich durch das Loch, auf der Drahtseite durch die Drillingsöffnung und dann wieder durch das Loch zurück. Nun fädel ich von der Schlaufenseite (an der noch keine Schlaufe ist) die Quetschhülse auf das Vorfach, knicke wieder das Ende um und stecke es in die Hülse, die ich dann zusammenquetsche. Dabe ist es wichtig dem Drilling eine Schlaufenlänge von 1-2cm zu lassen, damit man später den Köderfisch noch montieren kann.


    Nun fehlt bei beiden Möglichkeiten nur noch die kleine Schlaufe - fertig.
    Bei dickem Hardmono oder Stahlvorfach bevorzuge ich eine Vorfachänge von max. 20cm.


    Nun kann man den Draht vom Maul her durch den Köderfisch führen, bis die Schlaufe am After ein wenig herausschaut.
    Wenn der Draht ein wenig zu lang ist, darf es am After bis 0,5cm überstehen. Allerdings rate ich davon ab, den Draht hinter der Afteröfnung, durch Körper und Haut zu drücken; dann Spielt der Fisch nicht mehr richtig.
    Sollte das System zu kurz sein, kann man zur Not die Drahtöffnung aber durchaus etwas seitlich am Unterbauch durch die Haut drücken.
    Anschließend sticht man noch eine Zwillings- bzw. Drillingsspitze des vorderen Hakens hinter dem Kopf (am Nacken) des Fisches bis zur Hakenkrümmung ein.


    Nun zum hinteren Drilling. Auch hier gibt es 2 Möglichkeiten: entweder kann man einen offenen Drilling einfach einhängen oder einen kleinen Springring anbringen und einen Einzelhaken oder Drilling daran befestigen.


    Beim offenen Drilling besteht die Gefahr, dass der Fisch den Haken der Öffnung oder die beiden gegenüberliegenden erwischt, sich der Haken aufbiegt und der Fisch damit verloren geht. Es kommt sehr selten vor, ich habe es vielleicht 3-5 mal erlebt, trotzdem tut mir natürlich jeder einzelne davon leid, mit meinem Drilling im Maul weiterzuleben. Zudem könnte es ja gerade der Traumzander, -barsch, -hecht oder -seeforelle sein...


    Die Springringmontage ist da 100% sicher und wirkt zusätzlich dem Aushebeln entgegen (was aber nicht ganz so wichtig ist, da der Draht nachgibt). Allerdings raubt diese Methode Zeit und Nerven, gerade wenn man nicht so haltbare Köderfische oder viele Bisse hat.
    Wer den Springring verwenden möchte, sollte sich die mit Einhägehaken holen (bei denen ist das eine Ende ein klein wenig nach innen gebogen).


    Bleibende Köder wie Gummi oder Streamer bekommen bei mir stets den Springring; bei Köderfischen, gerade bei nicht so haltbaren, bin ich da etwas nachlässiger.


    Nun ist das System einsatzbereit.


    Das Fotos verschiederner Systeme und eines montierten Systems findet Ihr weiter unten.


    Tips, wie man den Köderfisch noch zusätzlich befestigen kann, findet ihr hier.


    Tips, welche Köderfische geeignet sind, findet ihr hier und wie man sie gut einfrieren kann hier.

  • Ich habe das "Original", welches sich vor Jahrzehnten vom Plansee aus über Bayern ausgebreitet hat, noch nie im Handel gesehen.


    Die etwas veränderte Form, die man jetzt überall kaufen kann, kam etwa Mitte der 90er Jahre in den Handel.


    Gerne lasse ich mich aber von den Gerätehändlern im Forum verbessern.


    Jedenfalls ist die Gußform in Oberbayern weit verbreitet..., so sieht man am Walchensee Anfang März viele, die das Original fischen.

  • Grias eich!


    Also ich gieß mir die Planseesysteme selber, hab eine Stahlform und der Ablauf ist so wie gelbe ente es beschrieben hat.


    Ein Vorschlag zum "Drahtdrehen" - ich spann ihn nicht im Schraubstock ein sondern halte ihn mit einer Kombizange fest. Zum Drehen nehme ich einen Akkuschrauber. Dreht wesentlich langsamer und ist auch handlicher.


    Bin aktuell grad an einer Bestellung für den Walchensee.


    Hier Fotos meiner drei Größen:


    Ich brauche bei meinen Formen bzw. Köpfen nicht bohren. Die Schnurdurchführung wird bereits beim Guß ausgespart.


    Weiß nun nicht ob das nun das "Original" ist - aber fängig sind sie :wink: !


    Gruß
    Christian, dersaibling

  • Meine Systeme in den Größen 5-15cm bzw. 6-20g:



    Die beiden dunklen sind rein Blei, das 2. von rechts rein Zinn, die anderen Legierungen.



    Das System an (Mono, geflochtener, dünnen Hardmono) Schnur mit offenem Drilling montiert:



    Das Vorfach ist natürlich nur für das Foto so kurz und aus Nähgarn...



    Das Original nach einem Angeltag am Walchensee: