Mit dem Bellyboot auf Zander

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  • HI,


    als „Nordi“ kann ich hier leider nicht soviel zu „lokalen“ Ereignissen beitragen.
    Aber vielleicht ist es ganz interessant, mal über die Bellybootfischerei im Süßwasser zu berichten – ich könnte mir vorstellen, dass das für einige von Euch – je nach Gewässer – sehr interessant sein könnte.


    Ich fische mit dem Bellyboot vor allem auf der Ostsee und auf einem tidenunabhängigen Nebenarm der Elbe. Für Letzteren benötigt man noch eine gesonderte „Bootsangelerlaubnis“ – es ist also unbedingt erforderlich sich vorher zu erkundigen, ob man das jew. Gewässer vom Bellyboot aus befischen darf und ob ggf. eine Zusatzerlaubnis erforderlich ist.


    Zur Grundausrüstung:
    Neben einem robusten Bellyboot (unbedingt mit zwei Schläuchen!) benötigt man eine Wathose (im Sommer sehr zu empfehlen: atmungsaktiv), Watschuhe, Flossen, Watjacke, Schwimmweste, Rutenhalter und einen Anker von 750gr (je nach Gewässer mit ausreichend langem Ankerseil).
    Zur Sicherheit sollten zudem eine Signalpfeife und das Handy nicht fehlen.
    Sehr hilfreich ist ein Echolot, um die jeweiligenTiefen bestimmen zu können und ev. Kanten etc. ausmachen zu können.



    Zum Gerät:
    Für die Bellybootfischerei bieten sich kurze, straffe Ruten an. Der Griff sollte in jedem Fall nicht über den Ellenbogen hinausragen sonst verhakt man sich beim Fischen ständig an Kleidung oder Bellyboottaschen. Ich fische eine einteilige FOX VERTICAL JIG in 1.90m. Diese oder ähnliche Vertikalruten sind ideal für die Bellybootfischerei. Eine kleinere Rolle (1500er) mit dünner geflochtener Schnur (10/12) ergänzen das Ganze perfekt. Wenn mit Hechten zu rechnen ist sollte man natürlich unbedingt ein Stahlvorfach vorschalten.


    Der Vorteil des Bellybootes ist, dass man (ohne ein Boot haben zu müssen) Bereiche befischen kann, die man vom Ufer aus nicht erreichen kann. Zudem scheint in bestimmten Situationen ein vertikal angebotener Gummiköder unschlagbar zu sein. Als Beispiel sei hier der Nebenarm der Elbe (Dove-Elbe) genannt. Vom Ufer aus habe ich mit Gummifischen noch nie Erfolge gehabt. Vom Belly (auch in Bereichen, die vom Ufer aus noch erreichbar waren!) haben die Fische plötzlich gebissen.


    Ich fische eine Mischung aus „Faulenzer“-Methode und Vertikalfischen. Dazu werfe ich den Köder 20-30m weit aus, lasse ihn absinken und ziehe den Köder – allein über die Rolle – mit 2-4 Kurbelumdrehungen ein und lasse ihn wieder kontrolliert absinken (hier erfolgt ja meist der Biss). Je näher der Köder dem Belly kommt desto weniger Kurbelumdrehungen reichen, um den Gummifisch zum Sprung zu verleiten. Ist der Gummifisch unter dem Belly fische ich vertikal weiter: die Rute anheben (so dass der Köder etwa 20-30cm über dem Grund ist), kurz verharren und gestraffter (!) Schnur wieder absinken lassen. Auch hier erfolgt der Biss zu 95% in der Phase, in der der Köder kurz davor ist, auf dem Grund aufzutreffen.


    Was die Dove-Elbe auszeichnet, dass es diverse „Löcher“ gibt (vermutlich Bombeneinschläge aus dem 2. WK) wo das Wasser abrupt von 2m auf bis zu 10m absackt. Genau diese Kanten sind es, wo sich die allermeisten Bisse verzeichnen lassen (daher ist hier ein Echo so hilfreich!).
    Für die Dove-Elbe hat sich gezeigt, dass die Fische nur in den frühen Morgenstunden und späten Abendstunden beissen. Alle Versuche, tagsüber einen Fisch zu fangen schlugen fehl (das ist aber mit Sicherheit sehr gewässerabhängig).



    >>

  • So ist bei dieser Fischerei vor allem mit Barsch, Zander und Hecht zu rechnen:





    Was die Auswahl der Gummifische anbelangt sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.
    Es ist aber immer wieder erstaunlich, wie gierig sich manche Zander auf die sogenannten „No-Action-Shads“ stürzen. Sie besitzen keine Schwanzschaufel und haben somit fast keine Eigenaktion. Zum Beispiel dieser Köder – hässlich wie die Nacht; der GLASSHAD



    Ich hätte nicht einen Pfifferling auf ihn gegeben, wenn man mir nicht so dringend ans Herz gelegt hätte, ihn unbedingt zu testen. Hartes Gummi, keine Schaufel, ein scheinbar lieblos eingegossenes Stück Holofolie – fertig.
    Und doch: am „Fireballjig“ dargeboten konnte ich meine besten Belly-Boot-Zander damit fangen!




    Nach den üblichen 10 Jahren Verspätung ist ja nun auch die Dropshot-Methode in Deutschland angekommen. Damit experimentiere ich seit dem letzten Jahr herum.


    Der Gummifisch wird an speziellen Haken direkt an die Hauptschur gebunden; mit einem speziellen Blei kann man die Höhe des Köders zum Grund einstellen und somit variieren. Die Vorteile: jede Bewegung der Rutenspitze überträgt sich direkt auf den Köder und im Falle eines Hängers verliert man nur das Blei und nicht auch den Gummifisch.


    Die Methode imitiert perfekt einen auf der Stelle kränkelnden Fisch und ich habe damit schon manch' Zander gefangen – und diverse Bisse versemmelt :? . Die Schwierigkeit ist nämlich, dass man bei der Methode den Anschlag leicht verzögert setzen muss (der Fisch muss den Köder komplett einsaugen) sonst haut man dem Fisch den Köder aus dem Maul bevor er zugebissen hat.


    Aber gestern hat es mal wieder mit "DS" geklappt; dieser schöne 66er Zander ist auf den „Salty Bait“ hineingefallen.



    Soviel erstmal und:
    PETRI HEIL !

  • Super Sönke!


    Wirklich ein starker Bericht! Da ich bislang auf Zander noch sehr wenig Erfolg bei uns hier hatte, werd ich mal Deine Methoden beherzigen, vielleicht klappts dann auch mit den Burschen.


    Eine Frage noch: wie schaffst Du es, dass Deine schönen Fotos so groß im Bericht stehen, bei den anderen Berichten sind die Fotos immer so klein?


    Herzliche Grüße
    Klaus


    Nachträglich: das mit den Bildern ist mir jetzt klar, Frank hat mich aufgeklärt, die Frage hat sich dmit erledigt

  • Hallo Sönke,


    danke für diesen klasse, informativen und illustrierten Bericht. Da bekomm ich auf meine alten Tage direkt noch Lust den Wohnzimmersessel (oder Schaukelstuhl :lol: ) mit dem Belly Boat zu tauschen.