Laichgewinnung von Aalrutten

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  • Servus Forumsrunde!


    Wie bereits im Herbst angekündigt gibts nun einen Beitrag zur Laichgewinnung bei der Aalrutte.


    Der Fischereiverein Berchtesgaden als Pächter des Hinterssees bewirtschaftet im Rahmen seiner Hege- und Pflegeverpflichtung nicht nur die Salmonidenbestände die im wesentlichen aus Seesaiblingen und Bachforellen bestehen sonder auch den nicht unbeachtlichen Bestand an Aalrutten.


    Einen genauen Bericht dazu könnt ihr unter http://www.fischereiverein-berchtesgaden.de unter der Kategorie "Fischzucht" ansehen.


    In der Zeit zwischen Ende Februar und Mitte März ist es dann soweit. Der Aalruttenfang zur Laichgewinnung geschieht mit 2-kehligen Kunststoffreusen - ähnlich der heute noch erhältlichen Stucki-Reusen. Diese Reusen haben den Vorteil dass sie sehr robust sind und nicht aufwendig eingebracht und gespannt werden müssen.


    Sie werden einzeln ausgebracht. Die Setztiefe liegt zwischen 3 und 8 Metern. Wir machen uns das Verhalten der Aalrutten zu Nutzen. Während des Laichgeschäfts lässt sie sich durch nichts stören und rottet sich mit ihren Artgenossen zu richtigen Knäulen zusammen. Dies kann man vom Boot aus beobachten und setzt die Reuse entsprechend etwas seichter mit der Öffnung zu Seemitte. Die Rutten nehmen die Reusen dann als Unterstand an und werden alle 2 - 3 Tage aus den Reusen entnommen. Dabei ist der bekannte Kanniblismus zu beobachten. Immer wieder ragen Schwanzflossen aus den Mäulern der vermeintlich trägen Bartträger.


    Auf diese Art und Weise sind in der Vergangenheit bis zu 350 kg Aalrutten pro Saison entnommen worden. Die hohe Zahl war auch mit dem damals nicht so zahlreich vertretenen Seesaibling verbunden. Mittlerweile wird der Seesaibling ja massiv gestützt und gefördert. Somit mussten auch die Aalrutten etwas kürzer treten. Aus diesem Grund haben wir uns als Soll 50 kg Entnahme pro Saison auferlegt.

    Aalrutten lassen sich wenn sie reif sind ähnlich wie Salmoniden abstreifen.


    Die extrem kleinen Aalrutten-Eier (1 Million Eier auf 1 Liter Volumen) können nur zum Schlupf gebracht werden wenn die Wassertemperatur 4 Grad nicht überschreitet. Sie werden in Zugergläsern erbrütet und wir haben hierzu extra eine Kühlanlage die wenn nötig die gewünschte Temperatur ermöglicht. Nach ca. 130 Tagesgraden Schlüpfen die unglaublich kleinen Larven. Bei ausreichender Nahrung können aber die gut 3 Millimeter großen Larven nach einem Sommer 17 - 20 cm (!) groß werden. Wir erbrüten die Eier nur bis unmittelbar vor dem Schlupf und geben sie an interessierte Fischereivereine ab. Eine Weiterzucht unter künstlichen Bedingungen setzt lebendes Kleinstplankton voraus und sprengt unsere Möglichkeiten.



    Hier die Tagesausbeute, ca. 0,35 Liter und somit ca. 350.000 Eier

    Der Bestand nach an Aalrutten-Laich zur Halbzeit der diesjährigen Streifperiode. Endergebnis waren 1,4 Liter = 1,4 Millionen Aalrutten-Eier


    Hoffe der Bericht hat euch Spass gemacht. Wenn jemand Bedarf an Aalrutten-Laich hat - bitte über PN.


    Gruß,
    Christian, dersaibling

  • Servus Christian,


    vielen Dank für Deine Berichte über die Nachzucht von Saiblingen und Aalrutten! Echt super und hoch interessant! Ich glaube, dass die Verbundenheit mit einem Gewässer gewaltig steigt, wenn man so viel für seine Fische tut.


    Eine Frage hätt ich noch, was hat der Seesaibling genau mit der verringerten Laichgewinnung bei den Rutten zu tun? Habt Ihr deswegen nicht mehr so viele Kapazitäten frei oder gibts wegen der Saiblinge weniger Rutten?


    Eilt nicht, würd mich bloß mal interessieren.


    Herzliche Grüße
    Klaus

  • Servus Klaus!


    Ich seh das folgender Maßen. Ein See, bzw. ein Gewässer hat ein gewisses Maß an Nahrung zu Verfügung und die wird unter den Fischen aufgeteilt. Durch Besatz und Entnahme greift man in den Bestand der Fische ein. Und das geht bei uns in den letzten Jahren sicher auf Kosten der Aalrutten. Keiner will die Rutten ausrotten aber sie sollen auf einen verträglichen Bestand gekürzt werden. Gleichzeitig wollen wir eine attraktive Fischerei auf den Seesaibling.
    Und so lässt sich die Entwicklung erklären. Falls wirklich einmal fast keine Aalrutten da sein sollten können wir ja aus dem gewonnen Laich wieder etwas besetzen. Aber bei 50 kg Entnahme seh ich da keinen Anlass zu Befürchtungen.


    Gruß,
    Christian, dersaibling

  • "Bedingungen:
    Am Hintersee kann neben der Fliegenrute auch die Spinnrute mit Kunstködern mit maximal einem Drilling ohne Widerhaken zum Einsatz kommen. Das Hegene-Fischen ist mit bis zu fünf Springer mit oder ohne Schwimmer erlaubt. Ab 1.Juni (!) darf an der Hegene mit Maden gefischt werden. Angelpapiere, Maßband und Hakenlöser müssen immer mitgeführt werden. Pro Angeltag dürfen im Fließwasser drei und am Hintersee sechs Fische entnommen werden."


    Servus!


    Da ist wohl nichts mit Ruttenfischen :'(